Als kleine Nachlese der letzten Reise des Pfarrvberbandes Euratsfeld-Ferschnitz nach Indien unter der Leitung von Pfarrer Wilson Abraham finden Sie nachstehend einen Berticht und einige Fotos von Uschi Raser.
Indien – das Land der Vielfalt: arm und reich, laut und leise, trist und bunt. Wer dieses Land bereist, wird überwältigt von Gegensätzen. Doch vor allem ist Indien eines: ein Land tiefgläubiger Menschen. Religion ist hier kein Randthema, sie gehört zum Alltag – sichtbar, hörbar und spürbar. All das durften wir auf unserer Pilgerreise mit Pfarrer Wilson erleben, als er uns seine Heimat gezeigt hat. Dort begegnete uns der Glaube überall.
In Indien leben etwa 1 Milliarde Hindus, das sind rund 80 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die Menschen tragen im Alltag den Punkt auf der Stirn als Zeichen ihrer Religiosität, sie beten an kleinen Hausaltären am Straßenrand oder sie pilgern in Strömen zu ihren Tempeln. Glaube ist hier nichts Abgeschlossenes oder Privates. Er ist offen, lebendig und selbstverständlich Teil des Lebens.
Christen machen in Indien nur etwa zwei Prozent der Bevölkerung aus. Der Großteil davon lebt im Süden im Bundesstaat Kerala. Mit über sechs Millionen Christen und einem Bevölkerungsanteil von rund 18 Prozent ist Kerala das Zentrum des indischen Christentums und auch die Heimat von Pfarrer Wilson. An einem Sonntag nahm er uns mit in eine Kirche, wo wir einen katholischen Gottesdienst mitfeiern durften. Der Besuch der Messe in Thathampally war für unsere gesamte Reisegruppe ein eindrucksvolles Erlebnis. Beim Betreten der Kirche mussten wir die Schuhe ausziehen – wie man es sonst nur von Hindu-Tempeln oder Moscheen kennt. Allein diese Geste zeigte: Dies ist ein heiliger Ort, den man mit Respekt betritt. Die Messe dauerte knapp eineinhalb Stunden, größtenteils im Stehen. Die riesige Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt – mit unzähligen Erwachsenen und rund 300 Kindern, erfüllt von dichtem Weihrauch und einer intensiven Atmosphäre. Laut und voller Begeisterung wurde gesungen und gebetet – alles in der Sprache Malayalam, der Muttersprache von Pfarrer Wilson. Auch ohne die Worte zu verstehen, war die Freude und Tiefe des Glaubens deutlich spürbar. In Gemeinschaft gelebter Glaube. Pfarrer Wilson zelebrierte die Messe mit – lebendig, mitreißend und voller Freude.
Ein paar Tage später besichtigten wir die Pattumala-Kirche. Neben der Kirche entdeckten wir einen Baum, über und über behangen mit unzähligen Rosenkränzen. So viele, dass man meinte, er könnte unter der Last zusammenbrechen. Jeder einzelne Rosenkranz steht für ein persönliches Gebet, für eine Bitte oder einen Dank. Auch dieses berührende Zeichen des Glaubens zeigte, wie tief das Vertrauen der Menschen in Gott verwurzelt ist.
Uschi Raser
